Monthly Archives: November 2009

Wer frisst wen?

Arbeitsplatz / minimlwork

Frank Schirrmacher: „Die Informationsexplosion wird unser Gedächtnis, unsere Aufmerksamkeit und unsere geistigen Fähigkeiten verändern, unser Gehirn physisch verändern, vergleichbar nur den Muskel- und Körperveränderungen der Menschen im Zeitalter der industriellen Revolution. Kein Mensch kann sich diesem Wandel entziehen. Aber das sind nur Vorbereitungen auf einen ungleich größeren Wandel … Die digitale Gesellschaft ist im Begriff, ihr Innenleben umzuprogrammieren. Auf der ganzen Welt haben Computer damit begonnen, ihre Intelligenz zusammenzulegen und ihre inneren Zustände auszutauschen; und seit ein paar Jahren sind die Menschen ihnen auf diesem Weg gefolgt. Solange sie sich von den Maschinen treiben lassen, werden sie hoffnungslos unterlegen sein. Wir werden aufgefressen werden von der Angst, etwas zu verpassen, und von dem Zwang, jede Information zu konsumieren. Wir werden das selbständige Denken verlernen, weil wir nicht mehr wissen, was wichtig ist und was nicht. Und wir werden uns in fast allen Bereichen der autoritären Herrschaft der Maschinen unterwerfen. Denn das Denken wandert buchstäblich nach außen; es verlässt unser Inneres und spielt sich auf digitalen Plattformen ab. Das Gefühl, dass das Leben mathematisch vorbestimmt ist und sich am eigenen Schicksal nichts mehr ändern wird, ist einer der dokumentierten Effekte der Informationsüberflutung.“ (Spiegel-Online, 16.11.2009)

Peter Kruse zu Schirrmacher: „Herr Schirrmacher begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive: Er betrachtet die digitale Welt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Person, die das Geschehen als distanzierter und bewertender Beobachter erlebt. Wer sich nicht selbst in den Netzwerken bewegt und sie als eine schwer zu ertragende Kakophonie empfindet, der fühlt sich logischerweise schnell überfordert und vielleicht sogar aggressiv belästigt. Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut … Auf nahezu jeder Seite von „Payback“ spürt man das Unwohlsein des Autors angesichts des realen oder befürchteten Kontrollverlustes: Herr Schirrmacher vertritt offenkundig die Idee, dass es die Aufgabe des Individuums ist, sich die Welt untertan zu machen, sie zu beherrschen oder wenigstens zu bewältigen – alles eine Frage guten Managements. Er konstruiert einen scharfen Gegensatz zwischen den Netzen und den Nutzern. Mit der sozialen Software des Web 2.0 hat ein derartiger Gegensatz seine Gültigkeit eingebüßt. Das Netz ist kein schrilles Informationsmedium mehr, das man vorsichtig und möglichst geschickt nutzen sollte, sondern es ist selbst zu einem faszinierenden Kommunikations- und Lebensraum geworden, den es zu erkunden und mitzugestalten gilt.“ (SZ, 26.11.2009)

Mehr zu Schirrmachers neuem Buch „Payback“ auch  hier und hier.

Medienkunst

Nam June Paik. Reclining Buddha, 1994. 2 color televisions, 2 Pioneer laser disk players, 2 original Paik laser disks, found object Buddha. 20” x 24” x 14”. Courtesy James Cohan Gallery, New York

Podcast: Endlich Kunst? Upgrade zu dem, was mal Medienkunst hieß (Zündfunk v. 04.10.2009): „Ein frisch geschlachteter Rinderkopf, ein gekippter kaputter Fernseher und ein zerpfriemeltes Tonband: So startete der Künstler Nam June Paik 1963 in Wuppertal die Medienkunst. Der Provokation folgte der Boom und wiederum die Reaktion von Künstlern, die alles, was Strom braucht, rundweg ablehnen. Dennoch kommt ein halbes Jahrhundert später keine große Ausstellung mehr ohne Video, Sound oder digitale Werkzeuge aus. Hat das Genre sich damit selbst überflüssig gemacht – oder brauchen wir die Medienkunst nicht nötiger denn je, weil die Neuen Medien so schlecht sind?“

(Foto: Nam June Paik. Reclining Buddha, 1994. 2 color televisions, 2 Pioneer laser disk players, 2 original Paik laser disks, found object Buddha. 20” x 24” x 14”. Courtesy James Cohan Gallery, New York; Link)

gute aussichten

Foto: Ute Klein, Resonanzgeflechte, 2009 (Detail)

Noch bis zum 10. Januar 2010 im MARTA Herford zu sehen: die GewinnerInnen des diesjährigen Wettbewerbs „gute aussichten – junge deutsche Fotografie 2009/2010“. Mehr dazu auf der Website von „gute aussichten“ und „marta„. (Foto:  Ute Klein, Resonanzgeflechte, 2009, Detail)